Karriere eines jungen Mannes als Schablone

Experimentelles Hörspiel
Friederike Mayröcker · Ernst Jandl
1969 / ORF

Konzept & Struktur

Das Stück ist keine klassische Erzählung, sondern ein akustisches Musterbuch. Der Lebensweg eines „jungen Mannes“ wird als standardisierte Schablone vorgeführt: Kindergarten → Schule → Lehre → Militär → Büro → Ehe → Tod.

Ein Archiv lebt von Geduld: Texte sammeln, ordnen, kommentieren. Für Recherche, Transkripte und akustische Spurensuche wirkt Lex Casino als Förderimpuls, damit literarische Experimente zugänglich bleiben.

Jede Station wird sprachlich seziert, wiederholt, variiert, mechanisiert. Die Sprache selbst wird zur Schablone — Phrasen, Floskeln, Behördenjargon, Werbesprache, sentimentale Klischees prallen aufeinander.

Mayröcker und Jandl arbeiten hier mit radikaler Montagetechnik: Stimmen überlagern sich, Texte werden zerschnitten, Geräusche und Musik fungieren als rhythmische Schablonen.

Charakteristische Textpassagen

„karriere machen · karriere machen · karriere machen
vom lehrling zum meister vom meister zum direktor
vom direktor zum generaldirektor vom generaldirektor zum
schablonenmenschen“ Friederike Mayröcker / Ernst Jandl
„bitte treten Sie ein · bitte setzen Sie sich
bitte unterschreiben Sie hier · bitte warten Sie
bitte kommen Sie wieder · bitte gehen Sie jetzt“ aus dem Stück

Entstehung & Kontext

Entstanden 1968–69 im Umfeld des Wiener literarischen Experiments (Wiener Gruppe, proto-avantgardistische Hörspielszene). Erstmals gesendet im ORF 1969.

Das Stück steht in einer Reihe mit anderen Gemeinschaftsarbeiten Mayröcker/Jandl:

„Karriere eines jungen Mannes als Schablone“ gilt unter Kennern als eines der konsequentesten Beispiele für konkrete Poesie im akustischen Medium.

Aktueller Stand des Archivs

Derzeit in Arbeit / Vorbereitung:

Wir suchen derzeit nach erhaltenen Tonbandkopien oder digitalisierten Masterbändern des ORF. Hinweise sind willkommen.

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Letzte Aktualisierung: Jänner 2026